ErfahrungsberichtJule Bahnsen spricht über ihr Auslandssemester in Maastricht
2. März 2026, von Denise Longe

Foto: Jule Bahnsen
Nach Abschluss des fünften Semesters an der University Maastricht BWL-Studentin Jule Bahnsen von den Unterschieden im Studium, Herausforderungen, Learnings und Lebenshaltungskosten und gibt Empfehlungen für andere angehende Outgoings.
Jule Bahnsen ist BWL-Studentin an der University of Hamburg Business School und hat das fünfte Semester ihres Bachelorstudiengangs in Maastricht, Niederlande, absolviert. Ende Februar ist sie zurückgekommen und berichtet über ihre Erfahrungen an der University Maastricht (UM).
Jule, warum hast du dich für ein Auslandssemester in Maastricht entschieden? Hat dich die Universität mit ihren Angeboten angezogen oder eher die Stadt?
Jule Bahnsen: Ich habe mich für die Universität entschieden, da alle Kurse vollständig auf Englisch angeboten werden und ein interaktiver Lernansatz genutzt wird. Die Stadt hat mir gefallen, da es im Vergleich zu Hamburg eine kleinere Studentenstadt ist. Ich habe die Kurse Crisis Management in Organisations, Economic Psychology, Global Business, Management of Organisations und Managing Takeovers belegt.
Alle Kurse wurden nach dem Problem based learning (Pbl) Ansatz gelehrt. Dabei steht case-basiertes, angewandtes Lernen in kleinen Gruppen, etwa 15 Personen, im Vordergrund. Meine Kurse hatten so gut wie keine Vorlesungen oder frontalen Unterricht. Theoretische Inhalte hat man sich im Selbststudium anhand von vorgegebener Lektüre erarbeitet. In den Tutorials hat man interaktiv durch Abgaben, Präsentationen und Planspielen gelernt. Drei meiner Kurse waren durch Facilitations geprägt. Dabei bereiten Teams aus Studierenden die Stunde vor und planen Aktivitäten, Aufgaben und Spiele, um die Lerninhalte anzuwenden.
Das Semester ist dabei entzerrter als in Hamburg. Man hat drei Perioden statt eines Semesters, in denen man in der Regel nur zwei Kurse gleichzeitig belegt. Im Anschluss an jede Periode schreibt man die Prüfungen. Die Endnote setzt sich neben der Prüfung aus erbrachten Leistungen und Anwesenheit zusammen.
Was waren deine wertvollsten Learnings im Auslandssemester?
Mein wertvollstes Learning ist es, offener und interessierter gegenüber verschiedenen Ansätzen zu sein. Das kann man auf den Aufbau der Uni beziehen aber auch auf alles andere: neue Sportarten, Essensgewohnheiten, Kulturen.
Gab es auch Schwierigkeiten, die du bewältigen musstest, und wenn ja, welche waren das und wie hast du sie überwunden?
Am Anfang war alles auf einmal neu. Das kann natürlich herausfordernd sein, wenn man in einer Stadt ist, in der man sich nicht auskennt, die Sprache nicht spricht, an einer neuen Uni ist, umzieht und neue Leute kennenlernt.
Wie hast du dich dann so schnell eingelebt?
Um sich überall einzuleben, würde ich empfehlen, einfach Dinge auszuprobieren und Angebote zu nutzen, um Leute kennen zu lernen: zum Beispiel in eine WG oder ein Studentenwohnheim ziehen, Einführungsveranstaltungen nutzen, Associations und Vereinen beitreten oder neue Sportarten ausprobieren.
Wie schwierig war es, eine Unterkunft zu finden, und wie waren die Lebenshaltungskosten?
Eine Unterkunft zu finden ist gar nicht so einfach, wenn man zentral sein möchte, weil die Stadt so klein ist. Viel geht über WhatsApp-Gruppen, Facebook oder Instagram. Es gibt aber auch Studentenwohnheime von der Uni, zum Beispiel das UM Guesthouse. Die Lebenshaltungskosten sind höher, als in Hamburg. Vor allem für Lebensmittel, Restaurants und Drogerieartikel würde ich grob sagen, zahlt man etwa 10% mehr.
Du hast von einem Erasmus Stipendium profitiert. Wie hoch ist die monatliche Unterstützung?
Die Förderung setzt sich aus Aufenthaltsdauer und Zielland zusammen. Maastricht gehört zu der Ländergruppe 1, daher habe ich die maximale monatliche Förderung von 600 Euro pro Aufenthaltsmonat erhalten. 70% der Förderung habe ich vier Wochen nach Start des Auslandsaufenthaltes bekommen und die verbleibenden 30% erhält man nach der Rückkehr.
Wie hast du den Kontakt zu anderen Studierenden empfunden? Warst du mehr mit lokalen Studierenden im Austausch oder eher mit anderen internationalen?
Ich war stärker mit anderen internationalen Studierenden im Kontakt. Es gab auch von der Uni viele Treffen für Exchange Studenten und, besonders am Anfang, war es einfacher, mit anderen internationalen Studierenden in Kontakt zu kommen. Alle waren neu, hatten keine festen Freundeskreise und man hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Insgesamt habe ich den Kontakt zu anderen Studierenden als sehr positiv erlebt.
Was würdest du anderen Outgoings raten, damit ihr Auslandsaufenthalt gelingt?
Ich würde jedem, der überlegt ins Ausland zu gehen, raten, es auf jeden Fall zu machen. Man sollte sich rechtzeitig um organisatorische Dinge wie Unterkunft und Fächerwahl kümmern, damit man das aus dem Kopf hat. Wenn etwas nicht klappt: Gelassen bleiben und Vertrauen haben, dass sich ein Weg finden wird. Am Ende einfach Spaß haben, Leute kennen lernen, neue Sachen ausprobieren!
Für mich war es eine tolle Erfahrung, die ich nicht vergessen werde!
Vielen Dank, Jule, für das Gespräch.
Weiterführende Informationen
Informationen zu Austauschmöglichkeiten gibt es im International Office der University of Hamburg Business School oder bei den Auslandsexperten der Uni Hamburg. Außerdem hörenswert: In unserer "BWL on Air"-Podcastepisode 15 zum Thema Auslandssemester ist Jule Bahnsen im Gespräch mit Prof. Dr. Dorothea Alewell.

