InterviewBWL-Alumnus und Startup-Gründer Marco Tijanic
18. März 2026, von Denise Longe

Foto: Snooze Project
Das Unternehmen Snooze Project des Alumnus Marco Tijanic feiert in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen. In einem Interview gibt der Mitgründer Einblicke in die Herausforderungen der Selbständigkeit.
Wenn Absolventinnen und Absolventen der University of Hamburg Business School die Hörsäle verlassen, dann bleiben die Kontakte oft erhalten: beispielsweise über das Alumni Netzwerk der Uni Hamburg oder auch über die Gründungsberatung für die ehemaligen Studierenden. So auch bei Marco Tijanic, ehemaliger Masterstudent der Betriebswirtschaft und Mitgründer von Snooze Project. Seit 2016 betreibt er von Hamburg aus gemeinsam mit seinem Kindheitsfreund Bijan Mashagh den Direktvertrieb für Möbel. Das Konzept: ein durchdachtes Design, hochwertige Maßanfertigungen und zertifizierte Qualität, immer mit einem Blick auf Nachhaltigkeit und einen zuverlässigen Kundenservice.
Zum zehnjährigen Bestehen von Snooze Project blickt Tijanic zurück auf die Gründungszeit, Erfolge und Rückschläge und verrät, worauf es seiner Meinung nach bei einer nachhaltigen Unternehmensgründung ankommt.
Herr Tijanic, wann haben Sie Ihren Master in Betriebswirtschaft an der Business School abgeschlossen und was war damals Ihr Schwerpunkt?
Meinen Master habe ich 2017 abgeschlossen. Meine Schwerpunkte lagen in den Bereichen Finanzen und Versicherungen sowie Wirtschaftsprüfung und Steuern. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht nicht nach dem klassischen Gründerprofil, aber gerade das Verständnis für Zahlen, Finanzen und komplexe sowie wirtschaftliche Zusammenhänge hat mir in der Praxis als Unternehmer geholfen – insbesondere beim Bootstrapping* , wo in der Regel jeder Euro wohlüberlegt eingesetzt werden muss.
Wie und wann ist es dazu gekommen, dass für Sie feststand: „Ich werde Unternehmer"?
Eigentlich schon vor meinem Studium in Hamburg. Bereits während meines Bachelorstudiums in Köln hatte ich mein erstes kleines Startup gegründet. Rückblickend war das ausgesprochen wertvoll – nicht trotz, sondern gerade weil nicht alles funktioniert hat. Früh zu starten bedeutet eben häufig auch, früh scheitern zu dürfen. Genau diese Erfahrungen haben mir den Mut und die Resilienz gegeben, es immer wieder aufs Neue zu versuchen. Ab diesem Zeitpunkt war für mich klar: Ich möchte Unternehmer sein. Die Lust, etwas Eigenes zu bauen, etwas zu verändern und aktiv voranzutreiben – und dabei zu wissen, dass es einen echten Impact haben kann – das treibt mich bis heute an.
Sie haben schon früh diverse Ideen für Startups entwickelt. Welche waren das und wo haben Sie sich damals Unterstützung zur Bewertung der Umsetzbarkeit eingeholt?
Während des Masterstudiums haben wir einige Startup-Ideen verfolgt. Eine, die wir besonders intensiv vorangetrieben haben, war ein Fantasy-Sport-Game für den DACH-Raum. Das Konzept: Nutzerinnen und Nutzer hätten sich virtuelle Fantasy-Teams zusammenstellen und mit echtem Geldeinsatz gegen andere Spielerinnen und Spieler antreten können – ob Bekannte oder Fremde. In den USA war dieses Modell bereits sehr populär, und wir sahen erhebliches Potenzial für den deutschsprachigen Markt.
Dabei war die Unterstützung seitens der Universität von großem Wert. Insbesondere Prof. Dr. Clement hat uns intensiv begleitet: Wir haben unser Pitchdeck gemeinsam mit ihm besprochen, zentrale Punkte geschärft und das Konzept weiterentwickelt. Darüber hinaus hat er uns an potenzielle Investorinnen und Investoren sowie relevante Netzwerke vermittelt. Das war eine hervorragende Erfahrung, für die wir sehr dankbar sind.
Letztlich haben wir uns dennoch gegen die Umsetzung entschieden. Die regulatorische Lage rund um Glücksspiel und Echtgeldeinsätze in Deutschland und der EU war zu diesem Zeitpunkt für uns zu ungewiss, sodass eine Umsetzung aus unserer Sicht mit zu hohen regulatorischen Risiken verbunden gewesen wäre.
Warum haben Sie sich schließlich für die Gründung von Snooze Project entschieden?
Snooze Project entstand gegen Ende meines Masterstudiums. Gemeinsam mit meinen Mitgründern hatten wir die Entwicklung im Bereich Matratzen und Schlaf auf dem US-amerikanischen Markt beobachtet – dort war bereits eine regelrechte Revolution im Gange, angeführt von Direct-to-Consumer-Marken, die den traditionellen Markt grundlegend veränderten. In Deutschland steckte diese Entwicklung noch in den Anfängen. Wir sahen darin eine attraktive Gelegenheit, den Schlafmarkt auch hierzulande zu transformieren – mit besseren Produkten, faireren Preisen und einem direkten Draht zu unseren Kundinnen und Kunden. Das ist nun zehn Jahre her – und wir sind nach wie vor mit derselben Leidenschaft dabei.
Für die Produktion von Möbeln braucht man eine solide Finanzbasis: Wie haben Sie den Start des Unternehmens finanziert?
Wir haben Snooze Project von Tag eins aus eigenen Mitteln finanziert – gestartet sind wir mit gerade einmal 8.000 Euro. Von dort aus in zehn Jahren zu dem zu wachsen, was Snooze Project heute ist, war ein langer Weg, aber wie so oft hat alles seine Vor- und Nachteile.
Beim Bootstrapping muss man an der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas geduldiger sein, da in der Regel weniger Kapital für Personalaufbau und Wachstum zur Verfügung steht. Dafür dreht man jeden Euro mehrfach um, was dazu führen kann, dass das eingesetzte Kapital tendenziell effizienter genutzt wird. Und ein nicht zu unterschätzender Vorteil: Wir als Gründer haben stets die volle Entscheidungsfreiheit behalten. Wie gesagt – alles hat zwei Seiten. Und das Geschäftsmodell muss eine gewisse Finanzierbarkeit auch hergeben.
Was genau verkaufen Sie und was ist dabei Ihr Erfolgsgeheimnis in der hart umkämpften Möbelbranche?
Grundsätzlich ganz wesentlich ist: Man muss stets mit der Zeit gehen und seine Zielgruppe genau kennen. In zehn Jahren haben wir gelernt, dass man sich gerade, wenn es gut läuft nicht auf den Lorbeeren ausruhen sollte, sondern stattdessen noch mehr Einsatz zeigen muss.
Bei Snooze Project ruht unser Erfolg vermutlich auch auf mehreren Säulen: Zum einen der Fokus auf die heimische Produktion – Made in Germany – mit durchdachten, hochwertigen Produkten. Durchdacht in Design und Funktion. Gepaart wird das mit exzellentem Kundensupport zu jedem Zeitpunkt der Customer Journey. Wir begleiten unsere Kundinnen und Kunden von der ersten Beratung bis weit nach dem Kauf.
Darüber hinaus haben wir unser Produktportfolio stetig erweitert. Rundum bieten wir sowohl standardisierte als auch individualisierbare Komfortprodukte im Interior-Bereich und im Outdoor-Segment an – beispielsweise Matratzen oder Polster nach Maß. Angefangen haben wir mit Matratzen, mittlerweile bieten wir auch modulare Sofas sowie Betten und Tische an. Dabei sind unsere Produkte nicht nur einzeln sehr ästhetisch sowie durchdacht in Bezug auf Design und Funktion, sondern grundsätzlich auch aufeinander abgestimmt: Sie können miteinander kombiniert und erweitert werden. So lässt sich beispielsweise unser Futonbett mit unterschiedlichen Fußfarben oder Maßen individualisieren, und gleichzeitig kann der passende Tisch in der gewünschten Farbe sowie das passende Sofa inklusive Gestell dazu konfiguriert werden. Diesen hohen Grad an Individualisierbarkeit und Konfigurierbarkeit in Maß und Ausführung – sowohl innerhalb einzelner Produkte als auch produktübergreifend – unterstützen wir zudem durch innovative Konfiguratoren: von 2D-Konfiguratoren bis hin zu 3D-Erlebnissen für unsere Sofas.
Wenn Sie auf die letzten zehn Jahre zurückblicken: Was waren Ihre größten Erfolge, was waren Rückschläge?
Zu unseren größeren Erfolgen zählen wir diverse Produkteinführungen – allen voran unser modulares Sofa, das als eigenständiges Produktsegment ein wichtiger Meilenstein war. Aber auch unsere Produkte nach Maß sind sehr erfolgreich, insbesondere unsere Matratzen und ganz frisch unser Sofa nach Maß. Die gesamte technische und physische Entwicklung dahingehend war sehr bedeutend für uns. Generell sind neue Produktlaunches für uns stets ein großes Highlight – sowohl technische als auch physische Produkte. Das bedeutet zwar in aller Regel viel Arbeit, macht aber umso mehr Freude, wenn wir sehen, dass unsere Kundinnen und Kunden die Produkte aktiv wertschätzen, sie nutzen und kaufen. Dieses direkte Feedback ist sehr motivierend.
Rückschläge gehören natürlich ebenso dazu. Dazu zählen insbesondere Entscheidungen und Tests, die einfach nicht fruchtbar waren und nach einer gewissen Zeit eingestellt werden mussten – sei es bei Strategien oder bei inkrementellen Produktanpassungen, die sich letztlich nicht bewährt haben. Allerdings haben häufig genau diese Erfahrungen dazu geführt, dass neue bzw. andere Wege eingeschlagen und getestet wurden, die wiederum funktioniert haben. Insofern kann auch aus einem vermeintlichen Rückschlag das Bestmögliche gelernt und positiv angewandt werden.
Als Gründer hatte ich häufig das Gefühl, mit dem Rücken zur Wand zu arbeiten – und so geht es einem dann doch irgendwie oft. Allerdings lernt man auch, mit genau dieser Situation zu arbeiten und daran zu wachsen. Wenn man meinen Mitgründer Bijan oder mich fragen würde – das ist mittlerweile fast schon ein Standardgefühl. Rückschläge sind häufig vorprogrammiert, je nachdem wie viel Risiko man eingeht. Und als Unternehmerin oder Unternehmer geht man in der Regel nun mal regelmäßig Risiken ein.
Wie sind Sie mit den Rückschlägen umgegangen?
Im Kern: Mund abwischen, weitermachen. Probleme analysieren, lösen und die Wiederholung dieser bestmöglich vermeiden. Und vor allem versuchen, aus Fehlern einfach zu lernen – aus eigenen, aber ganz besonders auch aus denen anderer. Man muss nicht jeden Fehler selbst machen, um daraus zu lernen. Gleichzeitig sind Fehler bis zu einem gewissen Grad auch normal und gehören dazu. Wichtig ist uns dabei: Wir machen diese grundsätzlich als Team. Es ist in der Regel selten der Fall, dass jemand alleine einen Fehltritt zu verantworten hat – es ist vielmehr ein gemeinsames Wir. Dieses Mindset hat uns als Team durch so manche schwierige Phase getragen.
Was planen Sie mit Snooze Project für die nächsten zehn Jahre?
Es stehen viele spannende Neuerungen an. Unser Ziel ist es, sowohl technisch als auch produktseitig weiter zu wachsen. Wir haben einen meiner Meinung nach sehr gelungenen 2D-Konfigurator für Produkte nach Maß entwickelt und erweitern das Erlebnis mittlerweile auf 3D-Konfiguratoren für unsere Sofas nach Maß. Darüber hinaus werden wir neue internationale Märkte erschließen und rollen aktuell unsere Showrooms deutschlandweit aus. Und als Marke wollen wir den Interior- und Outdoor-Bereich weiter mit ästhetischen und durchdachten Produkten aufmischen – neue und sehr spannende Produkte werden folgen, wir haben noch lange nicht alles gesagt. Es bleibt also sehr spannend – die nächsten zehn Jahre werden sicherlich mindestens genauso aufregend sein wie die ersten.
Gibt es einen Ratschlag, den Sie angehenden Gründerinnen und Gründern geben würden?
Es ist nicht leicht, aber es macht viel Freude – zumindest war es bei uns so. Mein wichtigster Rat: Seid stets aktiv und offen für Neues. Ich sage immer – das Glas ist stets halb voll. Eine hohe Stressresistenz hilft dabei in der Regel enorm.
Außerdem wichtig: Netzwerke aufbauen und pflegen, stets am Ball bleiben und aktiv werden. Sucht aktiv Gespräche und hinterfragt den Status quo. Und man muss nicht direkt alleine gründen – man kann sich auch eine gute Mitgründerin oder einen guten Mitgründer suchen, oder auch mehrere, je nach Vorhaben. Ebenso wichtig ist es, ein starkes Team um sich zu versammeln. Das Team ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Faktoren eines guten und erfolgreichen Startups.
Und man muss nicht sofort als Gründerin oder Gründer starten – es kann ebenso wertvoll sein, zunächst in kompetitiven Bereichen als angestellte Person Erfahrungen zu sammeln, sei es im Investment Banking, in der Unternehmensberatung oder auch in einem Startup. Gerade heute ist die Lernkurve vermutlich noch intensiver. Es gibt viele Wege, die eine Gründungsreise prägen können – meiner Meinung nach gibt es da kein Patentrezept.
Und ein Thema, das ich allen besonders ans Herz legen möchte: Künstliche Intelligenz. Wer diese Technologie frühzeitig versteht und gezielt für sich nutzt, kann sich einen erheblichen Vorteil verschaffen.
An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem Mitgründer Bijan und unserem gesamten Team bedanken. Ohne sie wären wir als Team und mit Snooze Project nicht da, wo wir heute sind. Danke.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die kommenden Jahrzehnte!
Weitere Informationen zu Snooze Project und dem dahinterstehenden Team sind auf der Homepage zu finden.
*Bootstrapping bezeichnet im Unternehmenskontext die Gründung und Entwicklung eines Startups ohne externe Finanzierungsmittel wie Risikokapital, primär durch Eigenkapital und frühe Umsätze.

