KI in der WirtschaftsprüfungNeue Studie zeigt Chancen und Grenzen
20. März 2026

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Jette Fabian und Prof. Dr. Nicole Ratzinger-Sakel haben in einer im Journal of Information Systems veröffentlichten Studie untersucht, inwieweit KI-Lösungen die Wirtschaftsprüfung unterstützen können.
Führt der Einsatz aufgabenspezifischer Künstlicher Intelligenz (KI) in der Wirtschaftsprüfung, am Beispiel der Prüfung von Lageberichten, zu einer höheren wahrgenommenen Prüfungsqualität sowie zu wahrgenommenen Effizienzgewinnen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine aktuelle Veröffentlichung von Jette Fabian und Nicole Ratzinger-Sakel, Professorin für Wirtschaftsprüfung und Unternehmensrechnung, die kürzlich im Journal of Information Systems erschienen ist. Grundlage der Untersuchung ist eine Befragung erfahrener Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer einer deutschen Big 4 Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Während die Prüfung von Lageberichten traditionell auf einem manuellen, checklistenbasierten Vorgehen beruht, integriert die untersuchte KI zentrale Arbeitsschritte in einer digitalen Plattform. Sie identifiziert relevante Textstellen im Lagebericht und ordnet diese den entsprechenden gesetzlichen Angabepflichten zu, sodass Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer gezielte Fundstellenvorschläge prüfen und dokumentieren können. Zudem ermöglicht die bidirektionale Verknüpfung von Anforderungen und Textstellen eine strukturiertere Navigation und potenziell höhere Nachvollziehbarkeit. Darüber hinaus bietet die KI Funktionen zur Prüfung auf Rechenfehler, zur Hervorhebung von Änderungen zwischen Berichtsversionen sowie zur Unterstützung der Zusammenarbeit im Prüfungsteam, etwa durch integrierte Dokumentation, Aufgabenverteilung und Review-Funktionen im Sinne des Vier-Augen-Prinzips. Die KI ersetzt dabei nicht das fachliche Urteil, sondern ist darauf ausgelegt, zentrale Prüfungsschritte zu unterstützen.
„Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild“, sagt Jette Fabian. „Grundsätzlich bewerten Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer den Einsatz solcher KI-Lösungen positiv. Insbesondere bei standardisierten Aufgaben kann KI dazu beitragen, Prüfungsprozesse effizienter zu gestalten und gleichzeitig die Qualität der Ergebnisse zu verbessern.“ Routinetätigkeiten ließen sich beschleunigen, während Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer mehr Zeit für anspruchsvollere Analysen gewinnen. „Gleichzeitig stößt die Technologie bei komplexeren, qualitativen Fragestellungen an ihre Grenzen“, erläutert die wissenschaftliche Mitarbeiterin. „Die Beurteilung von Ermessensspielräumen, sprachlichen Nuancen oder strategischen Aussagen im Lagebericht bleibt weiterhin von menschlicher Expertise abhängig.“
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist zudem, dass die Wahrnehmung und Akzeptanz von KI von individuellen Faktoren abhängen. „Berufliche Position, Berufserfahrung und insbesondere die Einbindung in digitale Transformationsprozesse beeinflussen, wie Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer den Nutzen von KI einschätzen“, sagt Prof. Ratzinger-Sakel. Während einige Qualitäts- und Effizienzgewinne hervorheben, äußern andere Bedenken, insbesondere im Hinblick auf ein potenziell zu großes Vertrauen in KI-Ergebnisse („Overreliance“) sowie mögliche Kompetenzverluste („Deskilling“).
Die Autorinnen leiten aus den Studienergebnissen Implikationen für die Praxis ab. Der erfolgreiche Einsatz von KI erfordert nicht nur technologische Lösungen, sondern auch gezielte Schulungsangebote, eine klare Kommunikation über Chancen und Risiken sowie eine strategische Einbindung der Mitarbeitenden in den digitalen Transformationsprozess der Abschlussprüfung.
Den vollständigen Beitrag lesen Sie hier:
https://publications.aaahq.org/jis/article/doi/10.2308/ISYS-2025-054/23853/Auditing-Corporate-Disclosures-with-the-Assistance

