Studie der Universität Hamburg, der CAU Kiel und dem Kiel Institut für WeltwirtschaftLabels führen nicht zu nachhaltigerem Konsum in Mensen
16. Juli 2026

Foto: UHH/Dingler
Eine aktuelle Studie zu Klima-, Gesundheits- und Tierwohllabels und ihren Auswirkungen auf den Konsum in Mensen kommt zu dem Ergebnis, dass ihre Ausweisung nicht die erhoffte Wirkung zeigt.
Klima-, Gesundheits- und Tierwohllabels sollen Verbraucherinnen und Verbrauchern dabei helfen, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. Eine gemeinsame Studie mit dem Titel „Limited and Unintended Effects of Climate, Health, and Animal Welfare Labels“ von Forschenden der Universität Hamburg (Dr. Thomas Schreiner), der Institute für BWL (Dr. Amelie Griesoph, Prof. Dr. Stefan Hoffmann) und VWL (Prof. Dr. Katrin Rehdanz) der Christian-Albrechts-Universität Kiel sowie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (Dr. Christine Merk, Prof. Dr. Dr. Ulrich Schmidt) zeigt jedoch: In realen Entscheidungssituationen entfalten solche Kennzeichnungen weniger Wirkung als erhofft.
Analysiert wurden mehr als 1,7 Millionen Essenskäufe in drei Universitätsmensen über einen Zeitraum von drei Jahren. Die Ergebnisse liefern keine Hinweise darauf, dass gekennzeichnete Gerichte häufiger gewählt wurden. Ihre Marktanteile veränderten sich entweder nicht signifikant oder teilweise sogar entgegen der beabsichtigten Richtung. Dabei berücksichtigten die Forschenden unter anderem Preise, die grundsätzliche Beliebtheit der Gerichte, den allgemeinen Trend zu vegetarischen Gerichten und die jeweils verfügbaren Alternativen.
Ergänzende Untersuchungen liefern eine mögliche Erklärung: Zwar wurden gekennzeichnete Gerichte spontan mit einem besseren Geschmack verbunden. Gesundheits- und Tierwohllabels weckten jedoch zugleich die Erwartung höherer Preise. Gerade bei alltäglichen Essensentscheidungen von Studierenden könnte dies eine wichtige Rolle spielen.
Dr. Thomas Schreiner, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Marketing und Customer Insight bei Prof. Dr. Mark Heitmann, sagt: „Mich hat an diesem Projekt besonders gereizt, eine Maßnahme zu untersuchen, die in Politik und Praxis als vielversprechend gilt. Umso spannender war das Ergebnis, dass Labels unter realen Bedingungen deutlich weniger Wirkung entfalten als häufig angenommen. Für mich zeigt die Studie, wie wichtig es ist, Maßnahmen zur Förderung nachhaltigen Konsums unter realen Bedingungen zu testen. Genau daran werden wir auch künftig weiterforschen, insbesondere daran, welche Instrumente tatsächlich geeignet sind, nachhaltige Konsumentscheidungen wirksam zu fördern.“
Die Studie wurde von der Gesellschaft für Energie & Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) gefördert und in Kooperation mit dem Studentenwerk Schleswig-Holstein durchgeführt. Sie ist in der Fachzeitschrift Ecological Economics erschienen.

