Startup Three Oh SixAlumna launcht Onlineshop für Mode ohne Polyester
25. August 2026, von Denise Longe

Foto: Kathrin Blömer
Die Alumna aus dem Masterstudiengang Betriebswirtschaft Kathrin Blömer bietet über ihren neu gestarteten Fashion-Onlineshop Loungewear, Unterwäsche und Sportkleidung ohne Polyester an und besetzt damit eine zukunftsweisende Nische.
Kathrin Blömer ist ehemalige BWL-Masterstudierende an der University of Hamburg Business mit den Schwerpunkten Unternehmensführung und Marketing. Nach Stationen bei OMR und Guido Maria Kretschmer ist im August ihr eigenes Unternehmen an den Start gegangen: Das Modeunternehmen Three Oh Six bietet über einen Onlineshop Kleidung ohne Polyester an und besetzt damit eine wichtige Nische in der Fashionindustrie. Das Angebot wird aus Loungewear, Unterwäsche und Sportkleidung bestehen. In ihrem ersten Launch startete die Gründerin mit Loungewear aus natürlichen und bio-basierten Stoffen wie Bio-Baumwolle und Tencel Modal.
In einem Interview spricht Blömer nicht nur über ihre Vision, sondern auch über den Beginn ihrer Selbständigkeit in frühen Jahren, über ihre Erfahrungen im Studium in Hamburg und Schweden und darüber, was sie aus ihren beruflichen Stationen für ihr Unternehmen mitnimmt.
University of Hamburg Business School: Frau Blömer, wie fühlen Sie sich als frisch gestartete Unternehmerin?
Kathrin Blömer: "Unternehmerin" zu hören, fühlt sich ganz komisch an. Ich arbeite schon über zwei Jahre an der Marke, bevor sie überhaupt live ging. Über ein Jahr sogar in Stille. Niemand wusste, was ich vorhatte. Jetzt war endlich der Launch und ich kann es selbst noch nicht glauben. Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, aber gleichzeitig auch eine absolute Achterbahn.
Ihre Selbständigkeit haben Sie schon früh mit Lego-Reselling begonnen. Was war ihre Motivation und wann wussten Sie, dass Sie ein eigenes Unternehmen gründen wollten?
Ich war Teenagerin, als ich wusste: Irgendwann starte ich mein eigenes Business. Ich will das machen, was mir vom Herzen Spaß macht. Ich möchte flexibel bleiben: wann ich arbeite, wo ich arbeite, wie viel Zeit ich investiere. Das wusste ich schon früh. Deswegen fing es auch mit Lego-Reselling an. Die Frage war nur: Womit mache ich mich selbständig? Und vor allem: Wann? Mein Abitur habe ich an einer Wirtschaftsschule absolviert, danach habe ich meinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften in Osnabrück gemacht und dann bin ich nach Amerika gegangen. Dann eineinhalb Jahre Gap Year mit drei Praktika. Ich bin nach Hamburg zum Masterstudium gezogen und war in Karlstad in Schweden im Auslandssemester. Und nebenbei: Werkstudenten-Jobs. Ich habe schon immer viel gearbeitet, aber irgendwann wollte ich es für mein eigenes Unternehmen tun.
Was hat Sie bei diesen Stationen am meisten inspiriert und Ihnen geholfen, sich auf Ihre Selbständigkeit vorzubereiten?
Meine Studienzeit war vor allem wichtig, weil ich so viele unterschiedliche Fachrichtungen gesehen habe, aber alle in Bezug auf Wirtschaft. Fächer wie E-Commerce und Podcasting haben mein Masterstudium sehr bereichert. Einfach weil es praxisnah ist. Wenn du einen Onlineshop betreiben willst, musst du E-Commerce verstehen. Da führt kein Weg dran vorbei. Und ich sag's ehrlich: Es war auch das beste Fach. Deswegen habe ich auch letztes Jahr den Onlineshop für Guido Maria Kretschmer aufgebaut. Weil es einfach unglaublich viel Spaß macht.
Sie haben sich entschieden, zunächst ins Angestelltenverhältnis zu gehen. Warum?
Ich hatte mich zu Beginn noch nicht sicher gefühlt, alles auf eine Karte zu setzen. Ich wollte erstmal lernen, bevor ich all das umsetze, was ich in Angestelltenverhältnissen gelernt habe. Es gibt auch Stimmen, die sagen: Leg' einfach los. Und ja, das kann auch ein Weg sein. Nur nicht meiner. Die Zeit bei OMR, meine Tätigkeit als Business Consultant in einer Unternehmensberatung und dann vor allem im Fashionbereich bei Guido Maria Kretschmer waren für mich extrem wichtige Jahre. Ich habe gelernt, wie Marketing funktioniert, wie man Werbung schaltet, Newsletter erstellt, einen Onlineshop von Null aufbaut und vor allem: Ich konnte alle Hintergrundprozesse in einem Fashionunternehmen mitverfolgen. Sei es die Abteilung Einkauf, Design, Produktentwicklung, Supply Chain. Und diese Erfahrung kann mir keiner mehr nehmen. Diese Zeit war Gold wert.
Wann war dann die Geburtsstunde von Three Oh Six und welche Idee steckt dahinter?
Vor ca. zwei Jahren war die Idee geboren. Gegründet habe ich Three Oh Six letztes Jahr im September. Und seit einer Woche ist der Onlineshop live.
Three Oh Six ist eine Marke für Loungewear, Sportbekleidung und Unterwäsche, die komplett auf Polyester verzichtet. Wir verwenden nur hautfreundliche Stoffe wie Bio-Baumwolle und Tencel Modal. Ich selbst hatte immer Problemen mit meiner Kleidung aus Polyester, weil ich eine so empfindliche Haut und ständig Ausschlag bekommen habe. Bis ich allerdings verstanden habe, dass der von meiner Kleidung kommt, hat es lange gedauert. Denn es gibt viel zu wenig Aufklärung darüber, dass die Modeindustrie mittlerweile überladen ist von Polyester. Aber Polyester tut der Haut nicht gut, sie kann einfach nicht atmen. Man fängt schnell an zu schwitzen, riecht unangenehm und im schlimmsten Fall bekommt man noch Ausschlag.
Das muss sich ändern. Wir entwickeln z. B. Pyjamas, die dich nachts besser schlafen lassen, weil du nicht verschwitzt und unruhig aufwachst. Sie sind atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend und der Stoff ist butterweich. Aber auch unsere Loungewear-Styles wie Jogginghosen und T-Shirts sind sehr atmungsaktiv und einfach so weich.
Three Oh Six verzichtet dabei aber auch nicht auf Design. Klar, der Stoff ist unsere oberste Priorität zugunsten des Tragegefühls und der Gesundheit. Aber wir achten auch darauf, dass die Designs überzeugen. Es soll eine Mischung aus "Gut für die Haut" und "Gut aussehen auch zuhause" sein.
Hat der Name eine besondere Bedeutung?
Definitiv. Als ich im Auslandssemester in Schweden war, war es nachmittags um kurz nach 15 Uhr immer Tradition, “Fika” zu machen. Fika ist eine Auszeit, wie eine Kaffeepause. Man macht es sich gemütlich und vergisst kurz den Stress drumherum. Dieses Ritual ist tief verankert in der schwedischen Kultur. Meine Mädels und ich haben uns immer zur Fika getroffen am Nachmittag, neben der Uni, und haben es uns gemütlich gemacht. Das soll Three Oh Six – 3:06pm, also kurz nach drei am Nachmittag – verkörpern: Deine Haut verlangt dir nichts ab, du kannst dich entspannen, weil alles, was du auf der Haut trägst, gut für dich ist.
Wo sehen Sie sich und Ihr Unternehmen in zwanzig Jahren?
Das Thema ist aktuell auf dem deutschen Markt noch klein in Relation zu den USA, aber es wächst stetig. Schaut man auf den amerikanischen Markt, ist dieser schon einige Schritte weiter. Aktuell wird in den Medien viel darüber gesprochen, dass die Gen-Z "Polyester" sogar als Schimpfwort ansieht und warum Konsumentinnen und Konsumenten Polyester zugunsten von natürlichen Fasern den Rücken kehren. Three Oh Six soll genau diese Lücke in 20 Jahren geschlossen haben und Pioneer im deutschen Markt sein.
Woran denken Sie am liebsten zurück, wenn Sie an Ihr Studium an der Universität Hamburg denken?
Ein Studium bringt nicht nur Wissen, sondern auch ein Netzwerk. Ein Netzwerk an Freundinnen und Freunden, die unheimlich wichtig sind für den Weg, den man geht. Auch nach dem Studium. Die Uni Hamburg war immer schon stark darin, Leute zu vernetzen, Veranstaltungen zu organisieren, sich auszutauschen oder ein Auslandsstudium zu machen. Dafür hat die Uni auch immer viel geworben. Und ich kann nur sagen: Macht es! Es ist die beste Erfahrung.
Aber auch jetzt nach meiner Studienzeit, Jahre später, bin ich mit Professoren auf LinkedIn vernetzt, die mir helfen, meine Marke sichtbar zu machen. Das finde ich besonders wertvoll. Diese Nahbarkeit und Unterstützung, auch wenn die Zeit an der Uni vorbei ist. Weil dieses Netzwerk bleibt. Für immer.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

