International studieren und arbeitenZwischen Hamburg, Kyoto, London und Tokio: Die Alumna und LSE-Masterabsolventin Mina Buchholz
25. September 2026

Foto: privat
Mina Buchholz hat nach ihrem Studium B.Sc. Betriebswirtschaftslehre an der University of Hamburg Business School ein Masterstudium an der London School of Economics and Political Science (LSE) in Großbritannien absolviert. Aufgewachsen in einer deutsch-japanischen Familie, lag ein internationaler Werdegang für sie von Anfang an nahe.
Nach ihrem Bachelor of Science in Betriebswirtschaftslehre in Hamburg und einem zweijährigen Vollzeitjob hat Mina Buchholz dieses Jahr den M.Sc. Management of Information Systems and Digital Innovation (MISDI) an der LSE abgeschlossen. Inzwischen ist sie Praktikantin bei Fujifilm in Tokio. Warum sie sich für ein Masterstudium in London entschieden hat, welche Rolle Japan für sie spielt und welche Pläne sie für die Zeit danach hat, erzählt sie im Interview.
University of Hamburg Business School: Mina, wenn man sich Deinen Werdegang anschaut, bist Du sehr international aufgestellt: Bachelor in Hamburg, ein Semester in Kyoto, ein Masterstudium in London und jetzt ein Praktikum in Tokio. Wie kam es dazu, dass Du so viele Stationen im Ausland gesammelt hast?
Mina Buchholz: Für mich war schon während der Schulzeit klar, dass ich gerne während des Studiums eine Zeit im Ausland verbringen möchte. Grund dafür war mein zweisprachiger Hintergrund und dass ich unbedingt mein zweites Heimatland Japan mit meinen eigenen Augen kennenlernen wollte. Durch die positiven Erfahrungen dort und den Wunsch auch an meinem Englisch zu arbeiten, habe ich den Entschluss gefasst, einen Master im Ausland zu suchen. Dabei habe ich den Studiengang an der LSE gefunden. Das aktuelle Praktikum in Japan war eher ein glücklicher Zufall: Während meiner Zeit in London bin ich auf ein Unternehmen gestoßen, das für ausländische Studierende ein Praktikum in Tokio anbietet. Da ich nach dem Master ohnehin herausfinden wollte, wie der Arbeitsalltag in einem japanischen Unternehmen tatsächlich aussieht, kam die Möglichkeit für mich genau zum richtigen Zeitpunkt. Mit etwas Offenheit dafür, wie der eigene Werdegang aussehen kann, genügend Planung der Finanzierungswege sowie auch Support von Dozenten und Unternehmen habe ich mir all diese Erfahrungen ermöglichen können.
Japan ist für Dich mehr als ein Studienziel: Du kommst aus einer deutsch-japanischen Familie und bist aktuell Praktikantin in der ICT Strategy Division bei Fujifilm in Tokio. Welche Rolle spielt das Land für Dich?
Japan war schon immer meine zweite Heimat. Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen und während der Schulzeit jede Woche samstags zum deutsch-japanischen Institut gegangen, um dort Japanisch zu lernen. Daher war ich schon von klein auf von beiden Sprachen und Kulturen umgeben. Da man durch einen längeren Aufenthalt so viel mehr lernen kann, habe ich schon früh angefangen, mein Auslandssemester dort zu planen. In meinem aktuellen Praktikum durfte ich ein firmeninternes Event supporten und musste zwischendurch Aussagen ergänzen oder Intentionen zwischen japanisch und englischsprachigen Teilnehmenden verdeutlichen, um Missverständnisse zu vermeiden. So erlebe ich hautnah, wie unterschiedlich Arbeitsprozesse und Kommunikation ablaufen. Für mich steht daher inzwischen fest, dass ich auch in Zukunft meine Zweisprachigkeit einsetzen möchte, um im IT-Management die Zusammenarbeit zu verbessern und langfristige Transformationen zu steuern. In dieser Hinsicht hoffe ich, dass Japan ein Ort für mich wird, zu dem ich immer öfter zurückkehren kann, sodass ich langfristig Japan und Deutschland als gleichwertige Heimat bezeichnen kann.
Warum hast Du Dich dafür entschieden, an der LSE den M.Sc. Management of Information Systems and Digital Innovation (MISDI) zu studieren, woher kam der Impuls?
Während meines BWL-Studiums habe ich begonnen, mich auf IT zu spezialisieren und habe dafür als Doppelstudium das Bachelorstudium in Mensch-Computer-Interaktion (MCI) aufgenommen. Dieses Studium verbindet Informatik mit Psychologie und ist auf die intuitive Gestaltung von Soft- und Hardware ausgelegt. Für meinen Master wollte ich diese Gedanken auf einer höheren Ebene im englischsprachigen Ausland miteinander verbinden und habe nach einem passenden Studiengang gesucht. Dabei bin ich auf MISDI gestoßen, der besonders an der LSE sehr theoretisch und aus einer sozio-technischen Perspektive gelehrt wird. Große Systeme in Unternehmen sind nie nur technische Systeme. Verändert man eine Funktion oder ein Teilsystem, verändert sich auch, welches Wissen im Unternehmen sichtbar wird und wer davon wie betroffen ist, oft auch indirekt. Genau darauf hat sich ein großer Teil der Studieninhalte fokussiert. Da ich mit dem Masterstudium auch herausfinden wollte, ob ich zukünftig in der Forschung tätig sein möchte, war es wirklich die perfekte Wahl.
Welche Schwerpunkte hast Du in Deinen Studiengängen belegt?
In meinem BWL-Studium habe ich den Marketingschwerpunkt gewählt, da mir dort die Angebote aus der Lehre am besten gefallen haben. Die Spezialisierung auf IT kam erst durch die im Anschluss oder parallel aufgenommenen Studiengänge, Werkstudententätigkeiten und Praktika. Für alle, die sich schwer damit tun, sich von Anfang an auf ein Thema zu fokussieren, kann ich entsprechend empfehlen, erst verschiedene Erfahrungen in der Breite zu sammeln und sich im Anschluss zu fokussieren. Auch im Hinblick auf den Lebenslauf muss man sich da keine Sorgen um den vermeintlich fehlenden „roten Faden“ machen, da es am Anfang eher auf die generelle Arbeitserfahrung ankommt und nicht auf die Industrie, Funktion oder Rolle.
Was genau hast Du in Deinem ersten Vollzeitjob gemacht?
Meine erste Vollzeitstelle war bei Arkwright Digital in Hamburg. Das Unternehmen hat sich auf das Projektmanagement von Webapplikationen im Finanzbereich spezialisiert und entwickelt Lösungen ganzheitlich, von der initialen Beratung über die technische Entwicklung bis hin zum Hosting und Maintenance. Dort habe ich als IT-Projektmanagerin ein neues digitales Produkt von der Konzeption bis zum finalen Launch betreut. Entsprechend konnte ich direkt an der Schnittstelle zwischen der Entwicklung und der Kundenseite arbeiten. Dabei waren vor allem die Ausformulierung der Softwareanforderungen, die Bewertung der technischen Machbarkeit sowie die Abstimmung von Kosten und Zeitrahmen meine Hauptaufgaben. Da ich bereits vorher als Werkstudentin in dem Unternehmen tätig war, durfte ich auch an vielen internen Prozessen mitwirken. So haben wir während meiner Zeit den firmeninternen agilen Softwareentwicklungsprozess modernisiert. Dabei habe ich besonders das Change-Management und den Wissenstransfer betreut.
Warum wolltest Du nicht gleich im Anschluss den Master machen?
Der Plan für die LSE stand eigentlich schon während meines Bachelors fest, ich habe ihn aber aus zwei Gründen bewusst um zwei Jahre verschoben. Zum einen wollte ich meine bisherigen Erfahrungen durch Werkstudentenjobs und Praktika auf die Probe stellen. Die Vollzeiterfahrung war im Vergleich deutlich intensiver, man übernimmt mehr Verantwortung und bekommt dafür Zugang zu allen Ressourcen und Trainings. Zum anderen ging es um die Finanzierung. Durch die zwei Jahre konnte ich genügend Geld zur Seite legen, um mir das Studium an der LSE überhaupt leisten zu können. Rückblickend haben sich die zwei Jahre auf jeden Fall gelohnt. Ich konnte die Studieninhalte viel besser einordnen, weil ich die Probleme aus der Praxis schon kannte, und umgekehrt im Studium auf den Arbeitsweisen aufbauen, die ich dort gelernt hatte.
Gab es besondere Herausforderungen in London im Studium, im Leben oder bei der Wohnungssuche?
Das Studium an der LSE ist, ähnlich wie auch das Studium an einer deutschen staatlichen Universität, sehr auf aktive Studierende ausgelegt, die eigenständig Paper und Seminare vorbereiten. In dieser Hinsicht hatten meine deutschsprachigen Kommilitonen und ich das Gefühl, gut auf das Studium in Großbritannien vorbereitet zu sein. Da in London nicht nur die Studiengebühren, sondern auch die Lebenshaltungskosten hoch ausfallen, ist eher die Finanzierung ein großes Thema. In meinem Fall habe ich mir das Studium durch Auslands-BAföG, angespartes Geld aus meinen zwei Jahren als IT-Projektmanagerin sowie einkalkulierte Steuerrückerstattungen ermöglichen können. Hier gibt es viele Möglichkeiten und auch Stipendien, für die es aber eine lange Planung benötigt. Bei der Wohnungssuche wiederum hatte ich keine Schwierigkeiten, da ich in einem der LSE-Studentenwohnheime untergekommen bin. Die ermöglichen es einem auch, mit vielen Studierenden aus anderen Fachrichtungen in Kontakt zu kommen.
Wenn Du in einem Satz Deine wichtigsten Learnings aus allen Auslandsaufenthalten zusammenfassen würdest, was würdest Du sagen?
Plant mögliche Wege ins Ausland frühzeitig und seid offen für Veränderungen, besonders wenn ihr erstmal dort angekommen seid.
Persönlich habe ich all meine Auslandsaufenthalte recht frühzeitig geplant, da ich immer sehr festgelegte Ziele vor Augen hatte. Dabei geht es nicht nur um die finale Bewerbung, sondern auch um die Finanzierung. Aber auch erste Kontaktaufnahmen zu Dozenten für Support und die nötigen Stationen im Lebenslauf wie Praktika oder Ehrenämter sind wichtig. Wer so früh im Voraus plant, hat oft ein bestimmtes Bild vor Augen, wie der finale Aufenthalt aussehen wird. Mein Auslandssemester in Kyoto war stark durch die Pandemie geprägt und ich konnte nur einen Bruchteil der Erfahrungen machen, die ich antizipiert hatte. Daher kann ich nur sagen, dass man offen für Veränderungen bleiben sollte. Denn oft geht nicht alles rund und man muss über seinen Schatten springen, Situationen so hinnehmen, wie sie sind, und versuchen, das Beste daraus zu machen. Entsprechend musste ich umdenken und konnte so viel darüber lernen, was mir persönlich wichtig ist und wie ich mich weiterentwickeln möchte.
Was ist das Wichtigste, was Du aus Deinem Bachelorstudium an der University of Hamburg Business School mitgenommen hast?
Meine Zeit an der University of Hamburg Business School war stark geprägt durch den vielseitigen Input im Grundstudium und das Navigieren durch erste Arbeitserfahrungen. Den Wert Connectedness schätze ich im Hinblick auf meine Auslandserfahrungen besonders, da er zeigt, dass einst geschaffene Verbindungen zu Individuen und Orten trotz kultureller oder lokaler Distanz nicht einfach verschwinden. Auch heute versuche ich, wenn sich die Möglichkeit ergibt, mich mit Personen aus früheren Stationen zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und zu reflektieren. So haben mich Kollegen aus meiner Zeit als Projektmanagerin in London besucht, Kommilitonen aus London habe ich wiederum in Hamburg und auch in Japan wiedersehen können. Daher bin ich sehr dankbar, dass ich durch die Verbindungen zu anderen Universitäten der Uni Hamburg über den Zentralaustausch nun meine eigenen Connections zu wunderbaren Personen auf der ganzen Welt schließen konnte.
Ein großer Dank geht dabei an Prof. Henrik Sattler, der mich seit meinem ersten Semester bei all meinen Auslandsaufenthalten und Bewerbungen unterstützt hat. Ich hoffe, dass in Zukunft immer mehr Dozenten langfristig die Karrieren ihrer Studierenden unterstützen und von der Ferne aus verfolgen.
Jetzt haben wir über Deine Erfahrungen und Deine aktuelle Situation gesprochen. Was wünscht Du Dir, wenn Du in die Zukunft blickst?
Für meine berufliche Zukunft wünsche ich mir, dass ich einen Platz in der IT finde, wo ich idealerweise meinen deutsch-japanischen Hintergrund einsetzen kann. In dem Zuge möchte ich besonders für die Steuerung und Koordination von langfristigen IT-Transformationen verantwortlich sein, die die immer schneller voranschreitenden technischen Entwicklungen mitberücksichtigen. In der etwas entfernteren Zeit hoffe ich auch, dass sich mein Weg mit der Forschung im Bereich Information Systems kreuzt.
Mina, vielen Dank für das Gespräch!

