AuszeichnungMasterabsolventinnen erhalten ERS-Preis
3. Juli 2026

Foto: Rahel E. Photography
Die beiden Masterabsolventinnen Anouk Chimi Wadjou und Melina Savvidou haben den von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft gesponserten Forvis Mazars ERS-Preis für die besten Abschlussarbeiten im Themenbereich Ethics, Responsibility, and Sustainability (ERS) erhalten.
Auf der Abschlussfeier des Bachelor- und Masterstudiengänge aus der Betriebswirtschaft wurden traditionell nicht nur die Absolventinnen und Absolventen geehrt, sondern auch die besten Abschlussarbeiten aus dem Bereich Ethics, Responsibility, and Sustainability (ERS) prämiert. Der ERS-Preis wird jedes Semester von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Forvis Mazars gefördert und übergeben. Er ist mit 500 Euro je Preisträger prämiert.
Die diesjährigen Gewinnerinnen Anouk Chimi Wadjou und Melina Savvidou, nahmen die Ehrung von Dr. Katrin Meyer, Partnerin bei Forvis Mazars, für ihre herausragenden Masterarbeiten entgegen. Die Alumna der WiSo-Fakultät hat sowohl zur Uni Hamburg als auch dem Bereich Nachhaltigkeit einen starken Bezug. „Ich verbinde mit der Universität Hamburg eine sehr persönliche Geschichte – als Absolventin, Promovendin und ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin, an der ich gemeinsam mit Prof. Bassen erste Kurse im Bereich Nachhaltigkeit mit aufgebaut habe“, sagt Katrin Meyer. „Das Thema Nachhaltigkeit begleitet mich seit über 20 Jahren – und gerade in der aktuellen Zeit sehen wir, dass die Herausforderungen nicht kleiner werden. Deshalb ist es so wichtig, dass Studierende mutig an neuen, auch praxisnahen Ansätzen im Bereich Wirtschaft und Management arbeiten – und genau das würdigt der ERS‑Preis.“
Lesen Sie mehr über die Preisträgerinnen und die Themen ihrer Arbeiten im Interview.
Anouk Chimi Wadjou
M.Sc. Betriebswirtschaft (Business Administration)
Thema der Abschlussarbeit: Die Wirkung der Mikrokreditgestaltung auf wirtschaftlicher Entwicklung und Female Empowerment: Eine Literaturanalyse
Betreuer: Prof. Dr Michel Clement, Professur für Marketing und Medien
Warum hast Du Dich für dieses Thema entschieden?
Für meine Masterarbeit wollte ich die Gelegenheit nutzen, mich intensiv mit einem neuen und gesellschaftlich relevanten Themenfeld auseinanderzusetzen.
Im Rahmen eines Praktikums bei einem Verein, der Mikrokredite an Frauen vergibt, hatte ich erste Berührungspunkte mit dem Thema Mikrofinanz.
Mich hat insbesondere die Frage interessiert, welchen Einfluss Mikrokredite, die überwiegend an Frauen vergeben werden, auf wirtschaftliche Entwicklung und Female Empowerment haben und ob sie langfristig zur Verbesserung von Lebensbedingungen beitragen können.
Da ich mich in meinem Studium noch nicht mit Mikrokrediten befasst hatte, war die Masterarbeit dafür eine ideale Gelegenheit.
Was war Dein wichtigstes Learning aus Deiner Masterarbeit?
Mein wichtigstes Learning aus der Masterarbeit war, wie entscheidend ein systematisches Vorgehen bei einem umfangreichen Forschungsprojekt ist. Das strukturierte Vorgehen der Literaturanalyse hat wesentlich dazu beigetragen, die Komplexität des Themas erfolgreich zu bewältigen. Die dabei weiterentwickelten Fähigkeiten unterstützen mich auch in meinem heutigen beruflichen Alltag.
Inhaltlich hat mich besonders überrascht, dass Mikrokreditprogramme trotz ihrer großen Popularität in der Praxis meist nicht so wirksam im Hinblick auf Armutsbekämpfung und Female Empowerment sind, wie ursprünglich erhofft. Meine Analyse hat gezeigt, dass ihre Wirkung stark von der konkreten Ausgestaltung sowie von ergänzenden Maßnahmen abhängt.
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Prof. Dr. Michel Clement für die ausgezeichnete Betreuung, die wertvollen Anregungen und den regelmäßigen Austausch während des gesamten Arbeitsprozesses bedanken. Seine Unterstützung hat maßgeblich zum Gelingen meiner Masterarbeit beigetragen.
Hat Dein Thema Deine Wünsche für die berufliche Zukunft beeinflusst?
Meine Masterarbeit hat meine beruflichen Wünsche nicht grundlegend verändert, da ich bereits vor der Abschlussarbeit erste Berufserfahrung im Marketing und Produktmanagement sammeln konnte. Heute bin ich auch im Marketing (Produktmanagement und Kommunikation) tätig. Die Masterarbeit hat jedoch mein Interesse an Themen mit gesellschaftlicher Relevanz weiter verstärkt, sodass ich mich sehr freuen würde, mich langfristig auch in Projekten mit positivem sozialem Impact einzubringen.
Melina Savvidou
M.Sc. Betriebswirtschaft (Business Administration)
Thema der Abschlussarbeit: Psychological Safety at Work - ein kritischer Überblick über den Stand der aktuellen Forschung
Betreuung durch: Prof. Dr. Dorothea Alewell, Professur für Personalwirtschaft
Warum hast Du Dich für dieses Thema entschieden?
Vom Konzept Psychologischer Sicherheit (PS) las ich zum ersten Mal im Harvard Business Review. Als ich hörte, dass Frau Professor Dr. Alewell ein Seminar zu diesem Thema anbot, meldete ich mich sofort an. So konnte ich mich erstmals wissenschaftlich mit dem Thema befassen:
Zum einen durch eine Seminararbeit, in der ich mich mit dem Einfluss zweier unterschiedlicher Führungsstile (Transformational- und Inclusive-Leadership) auf PS am Arbeitsplatz auseinandersetzte. Zum anderen durch die Präsentation eines Papers von Arnetz et al. mit dem Titel: „Organizational determinants of bullying and work disengagement among hospital nurses“[1]. Der Fokus lag hier auf dem Gesundheitssektor. Die Wissenschaftler zeigen auf, dass PS einen signifikant positiven Einfluss auf das Berichten von Mobbingerfahrungen am Arbeitsplatz hat und zudem einem Fernbleiben vom Arbeitsplatz entgegenwirken kann. Bei meiner Recherche fielen mir Forschungslücken auf. Insbesondere im deutschsprachigen Raum wird bisher vergleichsweise wenig zu PS geforscht.
Im darauffolgenden Semester erfuhr ich, dass Frau Prof. Dr. Alewell unter ihren ausgeschriebenen Themenbereichen für personalwirtschaftliche Masterarbeiten das Thema PS anbot. Da ich mich sehr für die Gesundheitsökonomie interessiere (die derzeit vorherrschenden Herausforderungen der Gesundheitsbranche sind uns allen bekannt), bin ich sehr dankbar, dass Frau Prof. Dr. Alewell auf meine Präferenz eingegangen ist, innerhalb der Thesis einen Forschungsschwerpunkt auf die Untersuchung von Determinanten zu legen, die in der Gesundheitsbranche zunehmend relevanter werden.
Was war Dein wichtigstes Learning aus Deiner Masterarbeit?
Das Konzept PS wird oft falsch verstanden. PS ist nicht gleichzusetzen mit einem netten Chef, der alles durchgehen lässt. Es ist auch keine Beschreibung für eine Atmosphäre, in der jeder Fehler ohne Reflexion hingenommen wird. Vielmehr sollte es für alle Mitglieder im Team möglich sein, Meinungen und Ideen zu äußern und auch eigene Fehler zu benennen, ohne ein persönliches Risiko befürchten zu müssen. Interpersonelle Risiken einzugehen, kann mit Scham behaftet und unangenehm sein. Die aktuelle Forschung macht jedoch deutlich, dass PS einen signifikant positiven Einfluss auf Lernprozesse hat, dass PS zur Produktivitätssteigerung beitragen und Innovationen fördern kann. In der Gesundheitsbranche kann PS der leistungsmindernden Power Distance entgegenwirken oder auch dem vorherrschenden Knowledge Hiding, das insbesondere in Krankenhäusern hohe Risiken birgt.
Darüber hinaus wurde mir deutlich, dass PS unter bestimmten Voraussetzungen ein effektivitätssteigerndes Konzept sein kann und gerade im Gesundheitssektor monetäre Anreize für Konzerne schafft, es jedoch auch seine Grenzen hat. Abschließend: Führungskräfte spielen bei der Implementierung und Aufrechterhaltung von PS eine zentrale und keinesfalls zu unterschätzende Rolle.
Hat Dein Thema Deine Wünsche für die berufliche Zukunft beeinflusst (und wenn ja, wie)?
Für meine berufliche Zukunft würde ich mir wünschen, in einer Organisation zu arbeiten, die mir die Möglichkeit eröffnet, kontinuierlich zu lernen. Lernen ist ein zentrales Thema psychologischer Sicherheit und das Fundament für das Erbringen von Leistungen und Innovationen.
Wenn ich in Zukunft die Möglichkeit erhalten sollte, selbst einmal eine Führungskraft zu sein und mein Arbeitgeber dem Konzept gegenüber positiv aufgeschlossen ist, würde ich mich gern für die Implementierung psychologischer Sicherheit in Teams einsetzen. Es gilt abzuwarten, welche Schwerpunkte sich in Zukunft rund um den Themenbereich PS ergeben werden, insbesondere hinsichtlich des steigenden Einflusses künstlicher Intelligenz.
Abschließend möchte ich mich herzlich beim Auswahlkomitee und bei Frau Dr. Meyer von Forvis Mazars für die Auszeichnung mit dem ERS-Preis bedanken. Außerdem danke ich herzlichst meiner Betreuerin Frau Prof. Dr. Alewell. Sie stand mir jederzeit zur Seite und hat mich durch ihre konkreten Nachfragen hinsichtlich meiner Vorstellungen, die Thesis anzugehen, zur Reflexion und zum Weiterdenken bewegt.
