ForschungsnachwuchsInternationale Forschungsaufenthalte und -reisen
28. Oktober 2026

Foto: privat
Drei wissenschaftliche Mitarbeitende berichten von ihren Forschungsaufenthalten und Konferenzbesuchen.
Der internationale Austausch zur Forschung ist ein wichtiger Bestandteil in der Ausbildung der Doktorandinnen und Doktoranden an der University of Hamburg Business School.
„Um unsere Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ideal bei ihren Forschungsvorhaben zu unterstützen, fördern wir Forschungsaufenthalte unterschiedlichster Art in jeder Phase der Promotion, auch schon zu Beginn der Forschungstätigkeit“, sagt Prof. Dr. Malte Fliedner, Prodekan für Forschung und Nachwuchsförderung. „Das kann beispielsweise die Teilnahme an einer Konferenz sein, ein mehrmonatiger Forschungsaufenthalt an einer Hochschule im Ausland oder auch der Besuch einer Summer School.“
In Kurzinterviews geben uns drei wissenschaftliche Mitarbeitende einen Einblick in ihre Reisen, Learnings und kulturellen Eindrücke der letzten Monate.
Kurzinterviews
Gangli Tan, Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Information Systems and Digital Innovation
Wo warst du im Rahmen Deiner Promotion unterwegs und was war das Ziel Deines Besuchs?
Im September war ich gleich für zwei wissenschaftliche Konferenzen unterwegs. Vom 6. bis 10. September war ich zunächst in Linz, Österreich, und habe dort an der Wirtschaftsinformatik (WI2026) sowie am dazugehörigen Doctoral Consortium (DC) teilgenommen. Im Rahmen des DC konnte ich mein Dissertationsprojekt „Digital Innovation in Times of Change“ vorstellen und in einer 90-minütigen Session ausführlich mit einer Mentorin und einem Mentor und anderen Promovierenden diskutieren.
Direkt danach ging es weiter nach Tsukuba, Japan, wo ich vom 15. bis 17. September an der Esports Research Network Conference (ERNC 2026) teilgenommen habe. Gemeinsam mit Prof. Dr. Xiaobo Ke von der Education University of Hong Kong und Wenxuan Liao von der Hong Kong Shue Yan University arbeite ich an dem Forschungsprojekt „Bridging Gaming Hardware and Hospitality Experience in Esports Hotels: An Empirical Investigation“, das auf der Konferenz präsentiert wurde. In der Studie untersuchen wir, wie unterschiedliche Gaming-Hardware mit der Zufriedenheit von Gästen in Esports-Hotels zusammenhängt.
Was nimmst du von Deiner Reise mit, gab es Learnings?
Aus beiden Konferenzen nehme ich viele neue Impulse für meine Forschung mit. In Linz konnte ich im DC sowohl die übergeordnete Ausrichtung meiner Dissertation als auch theoretische und methodische Fragen der einzelnen Studien diskutieren und dazu hilfreiches Feedback erhalten. Dabei kam ich mit jungen und erfahrenden Forschenden aus unterschiedlichen Forschungsbereichen ins Gespräch.
Die ERNC in Tsukuba hat meinen Blick dagegen stärker über meine eigene Forschung hinaus erweitert. Da mein Forschungshintergrund im Bereich Information Systems und Digital Innovation liegt, fand ich es besonders spannend zu sehen, welche Schnittstellen es zur Esports-Forschung gibt – von Technologie und Geschäftsmodellen über Livestreaming bis hin zu rechtlichen und gesellschaftlichen Themen wie Genderrollen, Identität und Online-Communities.
Beide Konferenzen haben mir damit auf unterschiedliche Weise neue Perspektiven für meine weitere Forschung eröffnet.
Welchen Eindruck nimmst Du von dem Land mit, das Du besucht hast?
Linz hat mich sehr positiv überrascht. Besonders spannend fand ich die Besuche der LIT Factory und von Wood K plus an der Johannes-Kepler-Universität. Dort konnten wir unter anderem sehen, wie Digital Twins und digitale Produktpässe in Produktion und Recycling eingesetzt werden. Es war schön, einige Themen, über die wir in der Forschung häufig eher abstrakt sprechen, einmal ganz konkret in der Praxis zu erleben.
In Japan gab es für mich ebenfalls viel Neues zu entdecken. Schon die Konferenz hatte einige Besonderheiten: Eine Panel Diskussion fand beispielsweise vollständig auf Japanisch statt, und mithilfe eines digitalen Live-Übersetzungstools konnten wir die Diskussion in Echtzeit mitverfolgen. Gleichzeitig hatte ich neben der Konferenz noch die Gelegenheit, etwas mehr vom Land und der Kultur kennenzulernen. Diese Kombination hat die Reise für mich zu einer sehr besonderen Erfahrung gemacht.
Was war Dein bester Moment vor Ort?
Es fällt mir tatsächlich schwer, nur einen Moment auszuwählen. In Linz war einer meiner schönsten Momente ganz einfach: auf der Eisenbahnbrücke zu stehen, auf die Donau zu schauen und nach einem intensiven Konferenztag kurz die Stadt auf mich wirken zu lassen. Fachlich war natürlich die 90-minütige Diskussion meines Dissertationsprojekts ein besonderes Highlight, weil ich dabei sehr viel konkretes Feedback und neue Perspektiven mitnehmen konnte. In Japan waren es vor allem die persönlichen Begegnungen.
Bei der ERNC habe ich alte Bekannte wiedergetroffen, viele neue Menschen kennengelernt und erlebt, wie schnell aus Gesprächen über einzelne Forschungsthemen neue Ideen und Verbindungen zwischen unterschiedlichen Disziplinen entstehen können. Diese Mischung aus fachlichem Austausch, neuen Perspektiven und wertvollen Kontakten ist wahrscheinlich das, was ich von beiden Reisen am stärksten mitnehme.
Stine Bönte, Doktorandin an der Professur für Corporate Finance und Asset Management
Wo warst du im Rahmen Deiner Promotion unterwegs und was war das Ziel Deines Besuchs?
Vom 11. Mai bis 12. Juni 2026 war ich als Visiting PhD Student an der LUISS Guido Carli University in Rom, eingeladen von Prof. Christian Lechner am Department of Business and Management. Ziel des Aufenthalts war es, die Governance- und Verhaltensaspekte meiner Dissertation zu M&A-Wellen und maschinellem Lernen weiterzuentwickeln und Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen aus Finance und Accounting zu knüpfen.
Was nimmst du von Deiner Reise mit, gab es Learnings?
Der Austausch hat mir geholfen, die Ergebnisse meiner Machine-Learning-Modelle theoretisch fundierter einzuordnen, insbesondere mit Blick darauf, wie Anreize und Heuristiken von Managern Übernahmeentscheidungen prägen. Außerdem habe ich gelernt: Ein Forschungsaufenthalt bringt am meisten, wenn man Menschen persönlich anspricht: ein Kaffee führt oft weiter als jede E-Mail.
Welchen Eindruck nimmst Du von dem Land mit, das Du besucht hast?
Rom hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen: eine Stadt, in der Geschichte zum Alltag gehört, mit offenen, herzlichen Menschen und einer lebendigen, internationalen Forschungsgemeinschaft.
Was war Dein bester Moment vor Ort?
Mein persönliches Highlight war die Schlussetappe des Giro d’Italia durch die historische Innenstadt Roms , als begeisterte Radfahrerin ein ganz besonderer Moment für mich.
Michael Möller, Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburg Center of Health Economics (HCHE), Professur für Gesundheitswesen bei Prof. Dr. Jonas Schreyögg
Wo warst du im Rahmen Deiner Promotion unterwegs und was war das Ziel Deines Besuchs?
Von April bis Juni 2026 war ich für einen Forschungsaufenthalt am CHOICE Institute der University of Washington in Seattle (USA) zu Gast. Ziel war der fachliche Austausch über Methoden der kausalen Inferenz und des Causal Machine Learning zur Policy-Evaluierung in der Gesundheitsökonomie. Im Institutsseminar habe ich meine Arbeit zu heterogenen Behandlungseffekten integrierter Versorgung vorgestellt. Außerdem durfte ich am Retreat des Instituts teilnehmen, wo ich außerhalb des Arbeitsalltags und in lockerer Atmosphäre die Leute hinter dem Institut besser kennenlernen konnte. Insgesamt bin ich der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sehr dankbar, dass sie mir diesen Forschungsaufenthalt ermöglicht hat.
Was nimmst du von Deiner Reise mit, gab es Learnings?
Fachlich nehme ich vor allem das Feedback aus dem Seminar mit. Die Diskussion hat gezeigt, an welchen Stellen ich noch arbeiten muss, und hat zudem Anregungen für die Überarbeitung des Manuskripts geliefert. Darüber hinaus war es interessant, den Forschungsalltag an einem anderen Institut kennenzulernen.
Welchen Eindruck nimmst Du von dem Land mit, das Du besucht hast?
Der pazifische Nordwesten der USA hat mich vor allem landschaftlich beeindruckt. Gebirgiges Terrain, dichte Wälder mit riesigen Bäumen, sogar ein Regenwald in der Nähe und eine Stadt, die man gut mit dem Fahrrad erkunden kann. Die Menschen habe ich als sehr offen und nett erlebt.
Was war Dein bester Moment vor Ort?
Mein bester Moment war das Retreat des Instituts direkt gefolgt vom Wandern auf der Olympic Peninsula.

